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Leitsätze der unternehmerischen Verantwortung für Nachhaltigkeit bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen

STRATEGIE.

1. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ greift die spezifischen Umstände der Veranstaltungsbranche auf und macht Nachhaltigkeit zu einer wirkungsvollen und prozessbezogenen Strategie im eigenen Unternehmen. Er analysiert damit verbundene Chancen und Risiken für eine langfristig ausgerichtete Nachhaltigkeitsstrategie und handelt entsprechend. Er stellt sich der Selbstkontrolle und legt die Anwendung in seinen operativen Tätigkeitsbereichen dar.

2. Ziele, Regeln und Prozesse zur Implementierung werden offen gelegt und von dem Nachhaltigkeitsbeauftragten des Unternehmens in einem kontinuierlichen Optimierungsprozess zur Umsetzung geführt. Selbst gesetzte Ansprüche sind ehrgeizig und orientieren sich an den jeweils bestmöglichen Lösungen.

CHANCE.

3. Nachhaltigkeitsmanagement versteht der ‚nachhaltige Unternehmer’ als eine unternehmensstrategische Dimension, die mit Lösungen zu Auswirkungen seines Handelns in der Zukunft beiträgt.

4. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ nutzt die Chancen des nachhaltigen Handelns, z. B. durch Einsparung von Ressourcen und Energie, Erhöhung der Mitarbeitermotivation und Reduzierung der Fluktuation. Maßnahmen zur Vermeidung, Reduzierung oder Kompensation von Folgewirkungen erzielen somit neben dem Beitrag zur gesellschaftlichen Problemlösung auch einen wesentlichen Nutzen für das Unternehmen. Der Optimierungsprozess im Sinne einer sustainable motion stärkt die Marktpositionierung als zukunftsorientierter Unternehmer im internationalen Wettbewerb.

5. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ unterstützt Veranstalter und Teilnehmer im Customer Service durch pro-aktive Hilfestellung mit innovativen Produkten und Dienstleistungen für „green meetings and events“.

 

GEMEINWOHL.

6. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ erfüllt seine Verantwortung in der Region. Er leistet einen Beitrag zum Gemeinwesen in seiner Region, um das Gemeinwohl zu stärken und die Weiterentwicklung zu fördern.

7. Regionale Wirtschaftspartner werden als Lieferanten und Leistungserbringer in die Wertschöpfungskette wo möglich einbezogen.

 

ÖKONOMIE.

8. Ökonomie und Rentabilität sind Voraussetzungen für den Unternehmenserfolg aber nicht der alleinige Sinn des Unternehmens. Nachhaltiges Handeln versteht der ‚nachhaltige Unternehmer’ als eine Herausforderung, die ökologische und soziale Aspekte im Sinne einer langfristigen Ausgewogenheit zur Ökonomie sieht. Dafür setzt sich der ‚nachhaltige Unternehmer’ mit ganzer Kraft ein.

9. Für die Wirtschaftspartner des Unternehmens hat die langfristige Stabilität in der Zusammenarbeit ein besonderes Gewicht. Kunden und Zulieferer, Öffentliche Träger und (regionale) Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette sind wesentliche Wirtschaftspartner, die auf eine ökonomische Stabilität des Unternehmens angewiesen sind.

10. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ erfasst und bewertet Umwelt- und Sozialrisiken so selbstverständlich wie die Unternehmens-, Finanzrisiken. Alle Risiken des unternehmerischen Handelns werden zum Erhalt der Stabilität frühzeitig analysiert und ihnen wird soweit wie möglich entgegengewirkt.

 

RESSOURCEN UND ENERGIE.

11. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ folgt in allen Belangen des Ressourcen- und Energieverbrauchs den Prioritäten 1. vermeiden, 2. vermindern und 3. regenerierbar ersetzen.

12. Langfristig folgt der ‚nachhaltige Unternehmer’ dem Ziel der klimafreundlichen Veranstaltung und geht diesem konsequent entgegen. Konkret heißt das, den direkt verursachten Ressourcen- und Energieeinsatz durch Erhebung und Analyse fortlaufend zu reduzieren.

13. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ bezieht den durch alle Beteiligten einer Veranstaltung verursachten Ressourcen- und Energieeinsatz in eine Bilanz ein. Er nutzt und gibt Empfehlungen oder innovative Dienstleistungen im Sinne eines vorsorgenden Ansatzes im Umgang mit Energie und Ressourcen, die sich aus der Durchführung einer Veranstaltung ergeben können, um die CO2-Bilanz insgesamt zu verbessern.

14. Eine besondere umweltpolitische Verantwortung liegt in der erhöhten Nachfrage Ressourcen- und Energieschonender Produkte und Dienstleistungen. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ stärkt daher den Markt durch den Einkauf und die Anwendung von innovativen, umweltfreundlichen Leistungen.

15. Vermeidungspotenzial für den Energieverbrauch für Veranstaltungen liegt v. a. in der Mobilität (An- und Abreise) sowie in der Unterbringung der Teilnehmer. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ empfiehlt daher, Veranstaltungszeiten zu wählen, die den Teilnehmern eine problemlose An- und Abfahrt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen. Für Mobilitätsdienstleistungen werden emissionsarme Fahrzeuge bevorzugt empfohlen.

16. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ erfasst die verursachte CO2-Freisetzung, z. B. anhand von CO2-Rechnern für Veranstaltungen und setzt sich Ziele für die CO2-Reduktion entsprechend dem Standard des Greenhouse Gas (GHG) Protocol. Zur Neutralisierung von nicht vermeidbaren Treibhausgas-Emissionen werden Kompensationsmaßnahmen in Erwägung gezogen.

17. Hinsichtlich der Anforderungen an Gebäude werden die Möglichkeiten der Energieeinsparung laufend geprüft und wo möglich verbessert. Bei Renovierung oder Sanierung plant das Gebäudemanagement die Maßnahmen unter energetischen Gesichtspunkten.

18. Für weitergehende Aspekte bei der Organisation und Durchführung von nachhaltig geplanten Veranstaltungen wird der Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen des BMU / UBA und die darin enthaltenen weiterführenden Empfehlungen beachtet.

 

SOZIALKOMPETENZ.

19. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ erkennt die Auswirkungen auf den Arbeitnehmermarkt in Hinblick auf die demografische Entwicklung der Bevölkerungsstruktur. Zur Sicherung der Beschäftigung und zur Steigerung der Qualifikation aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergreift er Maßnahmen zur Ausbildung und zur Weiterbildung. Die Maßnahmen werden als Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit verstanden.

20. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ legt sein Leitbild und die Werte der Mitarbeiterführung fest, die Chancengerechtigkeit, Mitwirkung bei unternehmerischer Fortentwicklung und die Potenzialentwicklung der Mitarbeiter fördern sollen.

 

RESPEKT.

21. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und schützt die Menschenwürde und die Menschenrechte. National und international anerkannte Standards der Menschenrechte werden respektiert und im Einflussbereich des eigenen Unternehmens geachtet, eingehalten und unterstützt.

22. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ implementiert Prozesse, die der Einhaltung insbesondere der Arbeitnehmerrechte dienen und die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern.

23. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ gestaltet seine Veranstaltungen und Veranstaltungsräume nach den Anforderungen, die die vielschichtigen Besuchergruppen internationaler Veranstaltungen erwarten. Angebote z. B. für Mütter mit Kindern, für ältere Menschen, für Behinderte werden im Gebäude berücksichtigt.

24. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ setzt sich dafür ein, jegliche Form von Diskriminierung zu unterbinden, z. B. aufgrund von Geschlecht, Rasse oder Religionszugehörigkeit oder politischer Weltanschauung. Er implementiert Prozesse, um Chancengleichheit, Gesundheits- und Arbeitsschutz, Schutz von Minderheiten und die Integration von Migranten und Menschen mit Handicaps zu fördern.

25. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ setzt sich für die Verhinderung von Vorteilsnahme und von Korruption in allen Formen ein. Bei Regelverstößen sollen systematisch Maßnahmen eingeleitet werden, die Wiederholung verhindern. Orientierung bieten akzeptierte Standards (z. B. Transparency International). Darüber hinaus wird empfohlen, Systeme zur Vermeidung von Fehlverhalten im Unternehmen anzuwenden.

 

OFFENHEIT.

26. Veranstaltungen haben Einfluss auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der Gesellschaft. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ identifiziert diese Einflüsse und die relevanten Interessensgruppen, die davon betroffen sind. Auf Fragen und Bedenken der relevanten Interessensgruppen wird dargelegt, welche Maßnahmen das Unternehmen nach Art und Umfang ergreift, die der Nachhaltigkeit gerecht werden.

27. Jede Kommunikation und Darstellung über die nachhaltige Unternehmensführung erfüllt den Anspruch der Wahrheit und Klarheit.

 

SELBSTVERPFLICHTUNG.

28. Unternehmen, die ihre ‚Unterstützungserklärung’ für den Nachhaltigkeitskodex abgeben, bekennen sich mit dieser freiwilligen Selbstverpflichtung als aktiv ‚nachhaltig handelnder Unternehmer’. Sie beachten dies in allen relevanten Bereichen der Ökonomie, der Ökologie und in den sozialen Aspekten.

29. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ verpflichtet sich, ein Jahr nach Abgabe der ‚Unterstützungserklärung’ einen Fortschrittsbericht über den Stand der Maßnahmen auf dem Weg zur Umsetzung des Nachhaltigkeitskodex zu veröffentlichen. Für jeden Leitsatz legt der ‚nachhaltige Unternehmer’ dar, welche Ziele festgelegt wurden und welche Maßnahmen er zur Zielerreichung ergriffen hat. Zum Stand (noch) nicht erfüllter Entsprechung eines Leitsatzes erklärt er die Machbarkeit. Die Verbände GCB und EVVC legen eine Standardmatrix für das Erstellen des Fortschrittsberichts vor.

30. Darüber hinaus wird empfohlen, dass der ‚nachhaltige Unternehmer’ seine Unternehmenspolitik und seine Nachhaltigkeitsstrategie darlegt.<

 

ANREIZE.

31. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ fördert das Ziel der Nachhaltigkeit durch Anreize zum Umdenken und Handeln. Management, Mitarbeiter, Kunden und alle Marktpartner sollen motiviert werden, eine Nachhaltigkeits-Performance im ständigen Verbesserungsprozess zu erreichen.

32. Erstens setzt der ‚nachhaltige Unternehmer’ direkte Anreize, indem er Aspekte für nachhaltiges Handeln qualifiziert und/oder quantifiziert in Ziel- und Beurteilungssysteme für die Mitarbeiter/innen und für das Management des Unternehmens aufnimmt.

33. Zweitens empfiehlt der ‚nachhaltige Unternehmer’ allen bei der Veranstaltung Beteiligten sowie Marktpartnern konkrete Maßnahmen zur Erfüllung der Nachhaltigkeit bei der Durchführung von Veranstaltungen. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ bietet aktiv seine Unterstützung bei der Konzeption und Organisation geeigneter Maßnahmen an, z. B. die Vermittlung von Kooperationen und Angeboten zur verstärkten Nutzung von Bus&Bahn.

34. Drittens setzt der ‚nachhaltige Unternehmer’ Marktanreize für Effekte nachhaltigen Handelns. Er wählt bevorzugt Produktgruppen, Dienstleister und Hotels aus, die in den relevanten Handlungsfeldern wie Mobilität, Klima und Energie, Catering, Abfallmanagement möglichst konform zum Kodex handeln.

35. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ nutzt das betriebliche Vorschlagswesen, um alle Mitarbeiter/innen zur Erfüllung der Nachhaltigkeit einzubeziehen und nutzt die Möglichkeiten der Sozialleistungen, z. B. durch die finanzielle Bezuschussung der ÖPNV Nutzung, Gesundheitsvorsorge sowie die Aus- und Weiterbildung oder Stipendien. Der ‚nachhaltige Unternehmer’ finanziert im Rahmen seiner Möglichkeiten interne oder externe Förderprogramme, Initiativen oder Projekte.